Mittwoch, 1. Januar 2025

Kurzer Halt am Tislit-See

Knapp 5 km nördlich von Imilchil liegt der Lac Tislit, oder auch Tislit-See, der sich über 1,3 km² erstreckt und 27m tief ist. Zusammen mit dem Isli-See, der etwas weiter westlich liegt, gehört er zu den schönsten Seen Nordafrikas. Hier in 2.200m Höhe ziehen beide Seen viele Einheimische und Touristen an, was unter anderem natürlich an der einmaligen Natur liegt. 

Auch das Hochzeitsfest in Imilchil hat hier seinen Ursprung, denn eine Legende besagt, dass eine Liebesgeschichte zwischen Tislit vom Stamm Ait Yaâza und Isli vom Stamm Ait Brahim, die sich in der Nähe einer Wasserquelle zwischen den beiden verfeindeten Stämmen entwickelte. Ihre Liebe soll so rein und echt gewesen sein, dass sie nicht länger getrennt leben konnten. Dennoch lehnten ihre Familien ihre Heirat ab. Sie flohen und stiegen auf einen Berg, um ihre Enttäuschung darüber zu betrauern und der Strom der Tränen war letztlich so stark, dass er die Seen Isli und Tislit entstehen ließ. Die Liebenden starben schließlich vor Kummer. Als Folge dieser Tragödie beschlossen die beiden Stämme, dass ihre jungen Jungen und Mädchen einmal im Jahr frei heiraten durften.

Wir hielten kurz an zwei Stellen, um das tolle Panorama mit den verschneiten Bergen einzufangen.

Durchs Hochgebirge in die Bergoase Imilchil

Die Straße verläuft nun relativ konstant auf ungefähr 2.400m Höhe und führt uns durch das Hochgebirge durch die Dörfer Agoudal und Almgho. Unser Ziel ist nun die Bergoase Imilchil, die über die Grenzen Marokkos hinaus wegen des alljährlich Ende August bzw. Anfang September stattfindenden Moussem mit angeschlossenem ‚Heiratsmarkt‘ bekannt ist, welcher jedoch inzwischen eher den Charakter eines Musik- oder Folklorefestivals angenommen hat.

Die Fahrt war mal wieder eindrucksvoll. Einerseits die karge und winterliche Landschaft, andererseits das ärmliche Dorfleben. Jetzt in den Wintermonaten fällt allgemein weniger landwirtschaftliche Arbeit an und die Bewohner beschäftigen sich mit anderen Dingen. 

Wir sehen kleine spontane Minimärkte, Frauen die gemeinsam an Stoffen arbeiten oder aber in den Bächen ihre Wäsche waschen, Männer die zusammen die warmen Sonnenstrahlen vor den Lehmwänden nutzen und Kinder die unterwegs sind oder sogar Fussball spielen.

Imilchil selbst ist wie alle Dörfer hier oben auch keine Augenweide. Es existieren keine Sehenswürdigkeiten oder herausragenden Bauten. Selbst Wikipedia schreibt:

Spaziergänge entlang der kleinen Felder am Flussufer oder Wanderungen an den Berghängen entschädigen ein wenig für das ansonsten kaum beeindruckende Ortsbild.

Wie so oft in Marokko üblich hängt das geschlachtete Vieh einfach draußen vor den Fleischereien, direkt neben der Straße. Immerhin ist es hier oben kalt. 

Wir halten hier nicht sondern fahren weiter die N12 in Richtung Norden weiter.

Auf den Col de Tizi Tigherrhouzine auf 2.645m Höhe

Wir verlassen Toumliline und steuern nun den höchsten Punkt dieses Passes an, den Col de Tizi Tigherrhouzine. Der Straßenverlauf wird hier 2.645m Höhe erreichen.

Glücklicherweise scheint es zuletzt nicht geschneit zu haben, die Passstraße ist geöffnet, die Schranken sind oben. Wir schlängeln uns immer weiter hoch, vorbei an Toyota Hilux fahrenden Schäfern und Ziegenherden, bis wir schließlich die Aussichtspunkte oben auf dem Berg erreichen.

Hier haben wir einen herrlichen Ausblick auf die verschneiten umliegenden Bergketten. Vor knapp 24 Stunden standen wir noch in der marokkanischen Wüste in den warmen Sanddünen, jetzt im Hochgebirge im Schnee. Das Land bietet faszinierende Kontraste, die wir allerdings ohne den Mietwagen wohl nicht erlebt hätten. Von daher war die Entscheidung hierfür goldrichtig.

Von Tamtetoucht nach Toumliline ins Hochgebirge

Von Tamtetoucht auf 1.700m Höhe führte uns die N12 nun in Richtung Ikadmane und Toumliline auf 2.080m Höhe. Ab hier würde die Straße nun bis auf knapp 2.700m hochführen. 

Doch zunächst bot die Fahrt nach Toumliline mal wieder atemberaubende Ausblicke und interessante Einsichten in das Leben hier oben in den Dörfern. In Tamtetoucht gab es noch teils ein paar Hotels oder Unterkünfte, sonst aber wurde es immer einsamer und wir fragten uns, wie hier oben überhaupt gelebt oder überlebt wird. Tatsächlich sah man aber immer wieder landwirtschaftliche Flächen entlang der Flüsse oder Bäche. Zudem natürlich ein wenig Viehzucht. 

Strom gab es hier noch über Überlandleitungen, teils aber auch über Solarfelder. Und selbst Mobilempfang hatte man hier meist besser als in vielen Ecken von Deutschland. Die Kinder waren auf den Straßen und Feldern unterwegs und kamen immer direkt zu uns gerannt, wenn sie ein solches Touristenfahrzeug aus der Ferne erspähten. Leider hatten wir aber nichts für sie dabei, hätten wir mal ein paar Süßigkeiten oder sowas mitgenommen.

Die Frauen sah man an den Bächen die Wäsche waschen oder auch auf den Eseln unterwegs. Überhaupt wird hier nicht mit Treckern das Land beackert, sondern tatsächlich mit dem Esel.

Wir hatten nun Mittagszeit, knapp 12 Uhr ist es gleich, und man hatte das Gefühl schon weit im Gebirge zu sein. Tatsächlich waren wir kartentechnisch grad erst am Anfang unserer Tour, viele Kilometer würden noch folgen. Aber wir genossen die Fahrt, die Sonne schien, die Temperatur war angenehm und hier war man quasi allein unterwegs, nur selten sah man mal andere Fahrzeuge.